Die Emscherinsel
Im Ruhrgebiet spielt nicht nur die Ruhr eine wichtige Rolle. Die Emscher, die ein natürlicher Fluss war, wurde im Zuge der Industrialisierung des Ruhrgebiets zu einem Abwasserlauf für die umliegenden Fabriken und Wohngebiete umgestaltet. Parallel zur Emscher wurde der Rhein-Herne-Kanal als künstliche Wasserstraße für den Gütertransport angelegt. Diese beiden Wasserläufe verlaufen vom Wasserkreuz in Castrop-Rauxel bis nach Oberhausen auf einer Strecke von etwa 34 Kilometern nebeneinander. Das Gebiet, das zwischen dem Fluss und dem Kanal liegt, wird als Emscherinsel bezeichnet.
Als ich auf der Karte zum ersten Mal diese parallel verlaufenden Gewässer entdeckte, weckte ihre geografische Eigenart sofort mein Interesse. Warum fließen zwei Gewässer so gleichmäßig nebeneinander? Und was ist heute dort zu sehen? Diese Fragen waren meine Motivation und der Ursprung für dieses Projekt.
Die Emscher galt aufgrund ihrer Nutzung als Abwasserfluss lange Zeit als der schmutzigste Fluss Deutschlands. Doch seit Beginn des Renaturierungsprojekts im Jahr 1992 wird das Ökosystem rund um die Emscher Schritt für Schritt in einen Zustand zurückgeführt, der dem vor der Industrialisierung ähnelt. Dieser Kreislauf – dass eine durch den Menschen verschmutzte Natur erneut durch menschliches Handeln gereinigt wird – besitzt in unserer modernen Gesellschaft eine tiefgehende Bedeutung.
Diese Veränderungen beeinflussen jedoch nicht nur die ökologische Umgebung des Flusses, sondern auch das städtische Umfeld und die Landschaft der angrenzenden Regionen, die in enger Verbindung zur Emscher stehen. Es ist mir ein Bedürfnis, die gegenwärtige Landschaft, die aus der langen und wechselhaften Geschichte zwischen Fluss und Stadt hervorgegangen ist, fotografisch festzuhalten.